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An welcher Uni studieren wir hier eigentlich?

April 25, 2007

Ich mag meine Uni. Wirklich. Ein toller Studiengang, eine großartige Fakultät, nette ProfessorInnen, familiäres Gefühl und eine für ein Dorfmädchen großartige Zwischenlösung zur „Großen Stadt“ treffen hier für mich zusammen.

Doch gerade fühle ich mich etwas unwohl.
Zum einen unterrichtet demnächst ein Mensch vom CHE (dem Bertelsmanninstitut für Hochschulpolitik, ums mal nicht ganz so ideologiefrei auszudrücken). Das Thema: „Hochschulmarketing“. Kann für angehende MedienmanagerInnen ganz interessant sein. Natürlich. Aber warum nehmen wir da einen Menschen (genauer gesagt: Markus Langer), der sich aus einem Verlagshaus heraus, also aus der Wirtschaft heraus, versucht in Hochschul- und Bildungspolitik einzumischen? Das CHE ist mitunter auch dafür verantwortlich, dass viele Länder Studiengebühren eingeführt haben, deren soziale Ungerechtigkeit leicht zu ergoogeln ist. Ansonsten empfehle ich dazu das Buch von Jens Wernike.

Aber das ist ja noch längst nicht alles.
Da wäre zudem noch ein Mensch, der „pro bono“ (also für nix) an unserer Uni ein Seminar mit dem Titel „Verführen, Inszenieren, Überzeugen“ anbietet, in dem es um politische Retorik geht. An sich ist das ja mal großartig. Ein interessantes Thema und sicherlich spannend zu beobachten. Wenn das Ganze auch noch unter einem bildwissenschaftlichen Aspekt betrachtet werden würde, ergäbe es vielleicht unglaublich interessante Erkenntnisse, vor allen Dingen für die StudentInnen der Gestaltung. Warum wird mir nun schlecht bei diesem Seminar? Nun gut, dieser Mensch ist CDU-Abgeordneter in Land- und Stadtrat, sowie deren Kreisvorsitzender. Was an und für sich selbst für mich ok ist, auch wenn ich gerne mitrufe bei „Was will ich und was willst du? Das Verbot der CDU!“. Irgendwer muss es halt machen. Dr. Peter D. Krause, um ihn mal beim Namen genannt zu haben, könnte also an und für sich kein Problem für die Uni darstellen. Allerdings habe ich seinen Namen auch noch in der AutorInnenliste der „Jungen Freiheit“ gefunden. Des weiteren gehört er zu den Menschen, die sich, ohne mit der Wimper zu zucken, auf den Friedhof stellen, um der Weimarer und Deutschen Bombardierungsopfer zu gedenken. Und dann bleibt mir noch ein Kommentar aus dem ersten Semester ewig im Kopf hängen, als ich noch ganz unbedarft in Thüringer Politik sein Seminar besucht hatte: „Hitler war ein großer Redner. EGAL, was man von ihm politisch halten möchte.“ Seltsam. Gestern meinte er noch, wahre Rhetorik sei nur in freiheitlich-republikanischen Demokratien möglich. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Nur weils jemand umsonst macht, nehmen wir den? Gute Lehre sollte sich nicht in Beliebigkeit stürzen.

Wenigstens gibt es noch Roger Behrens. Glück gehabt.

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