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Niederbayern

August 10, 2007
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Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, wenigstens einmal die Stätte meiner Kindheit (1) nicht zu kommentieren. Aber wie das oftmals so ist, lassen einer die Verhältnisse keine Wahl. Mittwoch war ich auf einem sog. „Volksfest“(2). Bewusst geworden ist mir da wenigstens, dass ich froh bin, von hier weg gekommen zu sein. Allerdings auch, dass ich mich nicht dafür schäme, von hier zu sein. Wenigstens konnte ich ein paar JungNazis ärgern. (3)
Hier gibt es tatsächlich sowas wie eine Parallelwelt. Politisches Engagement wird als überflüssig empfunden, forderst du Menschen auf, doch mal den Kapitalismus zu hinterfragen, kommt – nicht generell, aber doch vorgekommen – der Kommentar: „Wieso? Ich will später mal Geld haben.“ Da muss ich nun wirklich sagen: So blöd war ich nicht mal, als ich von hier weggegangen bin. Dann bleib bei der JU, denn wenn die CSU solche PolitikerInnen hat, dann wird sie wenigstens langsam aber sicher absteigen – auf dem politischen Ast.
Das Kirchengeläut ruft zu einer Messe. Ein Drang des Weglaufens, des Versteckens kommt in mir auf und das einzige, was mich rettet, ist zu wissen, dass ich innerhalb der nächsten 24h hier weg sein werde. Erinnert ein wenig an die Dementoren bei Harry Potter, bei denen du, um sie zu vertreiben, auch an etwas Glückvolles denken musst.
Wenigstens hat der Großteil der Jugendlichen hier begriffen, das die Nazis wohl nicht begriffen haben, dass der 2. WK so ziemlich das schrecklichste im letzten Jahrhundert war und der Faschismus nicht wünschenswert.
Jedoch die neue Nachbarin ist froh, nun in einem eigenen Haus zu wohnen, denn im Wohnblock waren so viele Ausländer. Hier ist „Hopfen und Malz“ verloren. Ein ehemaliger Freund meint dazu nur: „Denen kannst du hier echt nicht mehr weiterhelfen! Die werden sich nie ändern.“ In einem derartigen Bewusstsein gehe ich lieber dorthin, wo ich wenigstens noch das Gefühl habe, etwas zu bewirken.

(1) Eine Jugend hatte ich ja angeblich nicht und würde dies manches Mal auch untschreiben, dahingehen, dass ich keine „typische“ Jugend hatte, sondern eines der Kinder war, die immer nur gelesen haben und bis heute noch keinen wirklichen Vollrausch hatten. Immer vernünftig, immer bedacht. Kommt halt davon, wenn die Leute so viel lesen.

(2) Allein schon der Name „Volksfest“ stößt mir hier auf.

(3) Tja, menschenverachtende Parolen rumbrüllen, aber Lonsdale-Shirts tragen, das geht halt nicht. Wenn du solchen Menschen sagst, dass das ganz toll ist, dass sie T-Shirts tragen, die – super Aktion! – afrikanische Fußballteams unterstützen, damit die Nazis sie nicht mehr tragen. Ein Kommentar daraufhin war: „Des mocht uns fei no long ned zu Nazis, guade Frau!“ woraufhin meine gesagte Antwort war: „Klar, deswegen finde ich das ja so toll, dass ihr Firmen unterstützt, die etwas gegen Fremdenhass machen.“ und die gedachte: „Noch nicht? Herrje, was wird denn aus euch in drei Jahren?“

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