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Medien im Nationalsozialismus

Januar 7, 2008

Vortrag zum Seminar „Erinnerungskultur“ der grünen jugend vom 30.11.-2.12.2007 (gehalten von mir, daher lediglich skizzenhafte Notizen)

Kann man einen Völkermord vertuschen?

-> Eingangsfrage für den Workshop

Rolle der Medien im Nationalsozialismus

-> Frage nach den Mitteln -> nach der Propaganda -> Nach dem übermitteltem Bild


Einige Aspekte der Medienlandschaft

März 1933 -> Gründung des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda -> Mi­nister Goebbels -> 22.September 1933 Reichskulturkammergesetz für alle Kunst- und Kultur­schaffenden -> Vorsitzender der Reichskulturkammer: Joseph Goebbels

Rundfunk

-> am 15. Mai 1925 in Berlin als Dachorganisation der regionalen Rundfunkgesellschaften ge­gründet -> bis 1945

-> ab 1933 wurde die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft gestärkt

-> Diejenigen regionalen Rundfunkgesellschaften, die anfangs nich Mitglied sein wollten, wurden bis 1934 gezwungen (bspw. Bayern), selbstständiege Rundfunkgesellschaften wur­den aufgelöst -> Zentralisierung der Rundfunklandschaft (Gleichschaltung)

-> Erklärung zum Staatseigentum und dem Propagandaministerium unterstellt -> Pro­grammaufgaben wurden vom Reichssendeleiter gemacht -> Programmhoheit des Ministeri­ums

-> Ab 1938 („Anschluss“ von Österreich) wurden auch österreichische Sender der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft unterstellt.

-> Ab 1.1.1939 Umbenennung von „Reichsrundfunk“ in „Großdeutscher Rundfunk“ durch Go­ebbels

-> 1945 durch die Alliierten aufgelöst -> Programmvermögen (also Archivsendungen) befin­den sich heute in Wiesbaden im Deutschen Rundfunkarchiv

-> Programm bestand aus einer Mischung aus Nachrichten und „Wunschkonzert“

Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen

-> dem günstigeren Volksempfänger wurden aufgrund der zentralistischen Medienland­schaft bzw. dem einseitigen zu empfangenden Programm, teurere und leistungsfähigere Rundfunkgeräte vorgezogen -> Sendungen aus dem Ausland waren da besser abhörbar.

-> schon 1933 wurden KommunistInnen, welche „Radio Moskau“ empfangen hatten, in Kon­zentrationslager verschleppt -> Gestapo-Erlass -> Urteile wurden wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ gefällt.

-> 1.9.1939 -> Das Verbreiten von Nachrichten von abgehörten „Feindsendern“ wie auch das bloße Abhören feindlicher Propagandasender wurde förmlich unter Strafe gestellt -> „Rund­funkverbrechen“

-> Mitte 1941 wurden alle Rundfunkgeräte mit einer Karte versehen, auf der folgender Spruch zu lesen war: „Das Abhören ausländischer Sender ist ein Verbrechen gegen die natio­nale Sicherheit unseres Volkes. Es wird auf Befehl des Führers mit schweren Zuchthausstra­fen geahndet. Denke daran!“

Die Deutsche Wochenschau

-> Wir haben erst gestern NS-Propaganda in Filmen gesehen -> Die meisten Filmaufnahmen über das Dritte Reich, die heute verwendet werden, stammen ursprünglich aus Wochen­schau-Aufnahmen

-> von 1940-1945 (Kriegspropaganda) zentralisierte und gleichgeschaltete Wochenschau

-> wurde in den Kinos zwischen Kulturfilm (Vormittags, früher Nachmittag) und dem Hauptfilm (früher Abend) gezeigt

-> diente hauptsächlich zur „Information“ über das aktuelle Kriegsgeschehen -> gleichzeitig natürlich NS-Propaganda

-> Es gab einige hundert fremdsprachige Kopien für Verbündete, neutrale Staaten und Kriegsgefangenenlager

-> Wochenschau an sich kein neues Phänomen -> nach den Serien um 1908 gab es seit dem ersten Weltkrieg schon wöchentliche Rundschauen, allerdings noch ohne Ton. (Wochen­schauen mit Ton gab es auch erst seit Mitte der 30er Jahre in D)

-> Zentralisierung schon seit 1935 -> Goebbels löst die privatwirtschaftlich organisierten Stu­dios auf und gründet die „Deutschen Film-Nachrichtenbüros“, wleche direkt dem Propagan­daministerium unterstehen

-> 1939 „Deutsche Wochenschauzentrale beim Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ -> Bestätigung der Labels (Ufa, Tobis, Fox) als offizielle selbstständig, faktisch jedoch zentral kontrolliert -> Ein Film mit drei unterschiedlichen Vorspännen

-> ab 1940 dann offiziell „Die Deutsche Wochenschau“ als einheitlicher Titel -> organisatori­sche Zusammenlegung der vier Wochenschauen unter der Fahne der Ufa (um den Einfluss des Ministeriums zu verschleiern und zu erleichtern).

-> Einstellung nach mehrmaligem Umzug im März 1945 -> auch, weil viele Lichtspielhäuser nicht mehr erhalten waren. -> Filmindustrie generell ähnliches Schicksal

-> Filme hatten die Aufgabe vom „glorreichen Sieg der arischen Rasse“ zu erzählen -> Positi­ve Botschaften funktionieren besser als negative -> Werbung

-> Psychologische Manipulation durch technische Mittel (Überblendung)

Presse

-> Gleichschaltung am 4. Oktober 1933 -> davor gab es bis zu 3.400 Zeitungen, allerdings wurden die demokratischen und kommunistischen relativ schnell schon im Frühjahr ’33 von NS-Verlagen übernommen („Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ nach dem Reichs­tagsbrand)

-> Gegen 1945 waren 80% der Presseerzeugnisse direkt aus NS-Verlagen (Völkischer Beob­achter, Reichswoche) -> fast vollkommene Gleischschaltung -> Allerdings durften Journalis­tInnen auch nur über bestimmte Sachen berichten, sonst wurde mit „Hochverrat“ angeklagt.

-> tägliche Pressekonferenz der Reichsregierung

-> Auch Goebbels wollte, dass die Presse „nicht nur informieren, sondern auch instruieren” solle. Die Presse sei „in der Hand der Regierung sozusagen ein Klavier […], auf dem die Re­gierung spielen kann”, sie sei „ein ungeheuer wichtiges und bedeutsames Massenbeeinflus­sungsinstrument […], dessen sich die Regierung in ihrer verantwortlichen Arbeit bedienen kann”, schrieb Goebbels „über die Aufgaben der Presse”. Dies zu erreichen betrachte er als eine seiner „Hauptaufgaben”. (Hausarbeit von Tobias Jäcker; 2000)

-> Die „freie Meinungsbildung” wurde schon bald in die „Verantwortung für die Nation” ge­stellt. Nicht durch offene Zensur, sondern durch die angebliche „innere Gebundenheit des Kulturschaffens in Presse, Theater und Film”. Die Zeitung wurde zum „geistigen Bindeglied und überzeugenden Ausdruck der nationalen Gemeinschaft”. Die geschichtliche Sendung sollte alles Geschehen im Volke durchwirken, und zwar nicht machtmäßig von außen, son­dern „geistig” und „seelisch” von innen. „Pressefreiheit” wurde unter den Nationalsozialisten zum „liberalistischen Schlagwort”, „Propaganda” hingegen erhielt einen positiven Wert. (Hausarbeit von Tobias Jäcker; 2000)

-> nach 1945 (JournalistInnen)

Medienlenkung – Gleichschaltung – Ergebnisse

-> Widerstand möglich? -> Alternativen -> Wie haben die Menschen drauf reagiert.

-> Durch Gleischschaltung konnten bestimmte Themen von Anfang an nationalsozialis­tisch-gelenkt mit Propaganda besetzt werden -> Beantwortung der Frage nach einem „Vertuschen des Völkermords“ -> Allerdings Gleichschaltung auch nicht lücken­los und perfekt wegen Verflechtungen der Medienapparate untereinander sowie Zugang zu ausländischen Medieninhalten und Streitigkeiten strategischer Art in der Führungsebene

-> Simulierung einer begeisterten Bevölkerung bzgl. der Maßnahmen der Regierung

-> Das Propagandaministerium verfasste Meldungen, Anweisungen und sogar erfundene bzw. stark verzerrte „Tatsachen“, die von den JournalistInnen in ihren Zeitungen berück­sichtigt werden mussten.

-> Filme spielen eine erhebliche Rolle, um den Völkermord zu „rechtfertigen“ -> „Triumph des Willens“ (Leni Riefenstahl & andere Filmschaffende (Person)), „Jud Süß“(indirekte Pro­paganda nach Goebbels), „Der ewige Jude“ (direkte Propaganda nach Geschmack Hitlers) (-> faktisches Material und Interpretation -> Codierungsfrage)

-> Wirkung der Propaganda beruhte nicht auf Originalität oder Raffinesse, sondern auf In­tensität und Konsequenz im Einsatz aller technischen und inszenatorischen Instrumente -> vgl. Massen, die Hitler zujubeln (Jubeln), Rhethorik, Bildsprache etc.

-> Vergleich zu heute (auch Weimarer Zeit v.a. Mechanismen/Massenmedien) (Diktatur der Marktwirtschaft, bzw. Zensur in China) -> vollständige Zensur nie möglich etc.

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