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Erinnern: Vergessen

April 2, 2008

Keynote „Nützliches Vergessen“ von Viktor Mayer-Schönberger [2]

Es wird gestartet mit der Farbe Magenta. Eine Grundfarbe, die seitens der Telekom versucht wurde, markenrechtlich zu vereinnahmen. „Dummheit siegt.“ Ahja… mal sehen.

Stacey Snyder wollte einmal Lehrerin werden. Das durfte sie nicht, weil ein Bild von ihr auf myspace sie beim Alkoholkonsum zeigte. Ihr Verhalten hätte ihr Diplom verhindert, nicht ihre Noten. Leider geht der Referent nicht auf das Problem der Gesinnungs“justiz“ ein, sondern lässt das Beispiel für eine unvergessliche Datei im Internet stehen. Sie konnte das Bild nie wieder final löschen. Das sei das Problem gewesen.

Ebenso bei einem anderen jungen Mann, der 2001 einen Text über seinen LSD-Konsum im Jahre 1965 geschrieben hatte und deswegen 2006 lebenslanges Einreiseverbot in die USA bekam. Hmm…. Dass Staatsgrenzen ein Problem sein könnten? Nicht erwähnt.

In Eisenach gibt es eine Diskothek namens „mad„. Dort wird sämtliches Verhalten der BesucherInnen gespeichert und die Daten für alle zugänglich gemacht. Damit rühmt sich die Diskothek auch noch. Allerdings unterscheidet sie sich damit durch nichts von google. Interessant. Wie verhalten sich die Leute dort eigentlich? Ist das Konfliktpotential dort geringer als anderswo? – Wird – allerdings wahrscheinlich aus Zeitgründen – nicht erwähnt.

Google wird als universelle Erinnerungsmaschine vorgestellt. Bei Google-Trends kann auch noch nachverfolgt werden, wie oft wer welche Begriffe sucht. Huch! Google speichert auch alle Einzelheiten eines User/einer Userin auf ewig.

google erinnert. Menschen vergessen.

Erinnerung wurde traditionell zuerst mit der Sprache, später mit Mitteln der Malerei und letztendlich mit der Fähigkeit der Schrift gespeichert. Und jedes Mal verdammt. Jetzt kommt die Digitalisierung hinzu. Welche die Erinnerung zum ersten Mal kostengünstig gestaltet. Früher war Vergessen die Norm, Erinnerung die Ausnahme. Im digitalen Zeitalter ist dies umgekehrt.

Dies liegt an vier Voraussetzungen:

1, Digitalisierung von Daten

2, Speicherkapazitäten (Google hat inzwischen ca. 100.000 TB an Daten gespeichert!)

3, Wiederfinden (Das gestaltete sich in der StaSi schon als Problem. Vielleicht wird es das auch noch bei google. Allerdings ist selbst automatische Volltextindizierung kein Problem mehr, sondern bereits Teil sämtlicher Dateisysteme.)

4, Weltweiter Zugriff möglich (im Gegensatz zur Bibliothek, in der man lokal anwesend sein muss.)

Es gibt nun ein großes Problem. Durch das Vergessen waren jederzeit rationale Jetzt-Zeit-Entscheidungen möglich. Inzwischen müssen wir aktiv vergessen. Weil wir uns an „alles“ (was digital geschieht und das ist nicht alles, was geschieht) erinnern. Aber manchmal ändern sich die Menschen. Manchmal können wir das nicht mehr wahrnehmen und fällen aufgrund externer Erinnerungsstimuli (denn selbst sind wir physiologisch gar nicht dazu fähig) nicht mehr auf dieselbe Art Entscheidungen wie wir dies früher getan haben. Also ist neben der Privatsphäre durch die ständige Speicherung auch unsere Entscheidungsfähigkeit bedroht und damit unsere innergesellschaftliche Kommunikation.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten dem entgegenzuwirken. Durch eine rechtlich-regulierende Gestaltung der Technik ex ante. Durch Betroffenenrechte, die nirgends in der westlichen Welt wirklich durchgesetzt werden können. (Nebenbei gesagt, ist das auch eine Luxusproblematik der industrialisierten Welt. Eigentlich ist diese Selbstbeschäftigung damit zum Kotzen. Aber selbst ich nehme fröhlich daran Teil. Und weiter gehts!) Betroffenenrechte plus, die Verfahren vereinfachen, aber nichts bewirken. Das Datenschutzrecht ist schlichtweg tot. Informationsökologie stellt ein Problem dar, sobald sie vom Staat nicht mehr gewollt ist. So wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Niederlanden die Religionszugehörigkeit aller BürgerInnen gespeichert, um einen Wohlfahrtsstaat etablieren zu können. Dann kamen allerdings die NationalsozialistInnen und konnten aufgrund des Datensatzes die jüdischen NiederländerInnen noch viel systematischer in KZs abschieben. Ein drastisches Beispiel, dass deswegen aber gut das Problem schildert.

Alternative Vorschläge sind dahingehend Digitale Enthaltsamkeit (Ja, man bekommt auch kein AIDS, wenn man keinen Sex hat.), Volle Kontextualisierung, also die gläserene Gesellschaft, ein digitales Panoptikum (und: er hat“Foucault“ gesagt! ,-)), oder auch eine Kognitive Revolution, also wir müssen doch einfach nur unsere Verhaltensgewohnheiten ändern, dann wird alles gut. Und: Last but not least: Privacy DRM: Totale Überwachung der eigenen Daten. Was ganz großartig klingt, aber letzendlich dann ein Problem wird, sobald eine gewisse Anzahl an Daten erreicht ist.

Sein Vorschlag nun: „Verfallsdatum für Information“. Jede Datei, die irgendwo gespeichert wird, muss mit einem „Haltbarkeitsdatum“ versehen werden. Damit wird die Speicherzeit festgesetzt (kann auch geändert werden) und bei der Speicherung zwangsweise definiert. Dadurch wird Speichern ein wenig teurer als Vergessen (wg. dem Zeitaufwand) und damit wird dem Internet ermöglicht, zu vergessen. Damit wird zudem allerdings auch die Bemächtigung an den eigenen Daten ermöglicht und damit findet Empowerment statt!

Klingt alles großartig.

Während der Diskussion wird noch das erinnerungsneutrale Speichern vorgeschlagen. Bei jeder neuen Speicherung muss dieselbe Datenmenge gelöscht werden, was ich schwierig finde. (Das wäre ja, wie wenn ich für jedes Buch, dass ich kaufe, ein altes verbrenne…. Lieber nicht.)

Mir gefällt die Idee, allerdings sehe ich ein Problem: Öffentliche Information und allgmeines Wissen will ich nie und nimmer mit einem Verfallsdatum bei irgendjemandem versehen haben. Wie wird das geregelt. Wenn mir irgendjemand das beantworten kann, dann bin auch ich von der Idee überzeugt.

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